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Leseprobe

Spuren

 

Florian Tietgen

 

Zwei Menschen gehen. Ab und an gesellt sich jemand zu dem einen oder dem anderen und begleitet diesen ein Stück.

Mal gehen sie leicht, mal haben sie Gewicht. Mal tragen sie es, mal fühlen sie sich beladen. Sie erklimmen Berge, mühen sich durch Täler, wandern am Strand das Meer entlang und am Ufer den Fluss.

Beide laufen durch Dörfer und Städte, über Gras und Asphalt, durch Wälder und Felder, über Kiesel und Fliesen, durch Schnee und Pfützen, über fruchtbare Erde und Scherben, durch Sumpf und über Steppen.

Nicht immer finden sie gleich das richtige Schuhwerk und zuweilen hat jeder den Eindruck von Knüppeln zwischen den Beinen oder von Lähmung.

Beide drehen sich manchmal um, betrachten die Spuren, die sie hinterlassen haben, rümpfen die Nase, schütteln den Kopf oder lächeln. Der Erste fegt sie sodann fort. Der Matsch auf den Fliesen, die Scherben, die Abdrücke im Sand, das zertretene Gras – selbst das zeitweise Lächeln sind ihm unangenehm.

»Wer bist du?«, fragt der Zweite, als die beiden sich treffen, und schaut nach dem Weg, den der Erste gekommen ist.

Der blickt zurück und findet keine Antwort.

 

Auf einen Schlag


„Warum jetzt? Ich bin doch viel zu jung zum Sterben.“ Der 15-jährige Benjamin ist stinksauer. Gerade hat er seinen ersten Kuss bekommen, als er sich plötzlich in einen Adler verwandelt. Er soll dem gleichaltrigen Pavle helfen, sich nach einem beim Fußballspiel erlittenen Schlaganfall zurück ins Leben zu kämpfen. Gleichzeitig soll sich Benjamin um Pavles schizophrene Mutter und den überlasteten Großvater kümmern – der Adler fühlt sich hoffnungslos überfordert …

Stadtgeflüster


Stadtgeflüster enthält 22 Erzählungen, die von dem Leben Ihrer Mitmenschen handeln. Lernen Sie ihre geheimen Absichten, Phantasien, Bedürfnisse und Neigungen kennen - ihre Welt ist humorvoller, spannender, obszöner und tragischer, als Sie sicher glauben.





Verfolgt - beklemmende und beängstigende Geschichten


Schwanzgeld ist eine Geschichte mit teilweise deutlichen sexuellen Darstellungen, daher möchten wir eher konservative Leser darauf im Vorfeld hinweisen, damit sie gegebenenfalls einige Seiten weiter blättern.





Das Sterben ist ästhetisch bunt


In den Geschichten dieses Buches geht es ums Sterben. Die Todesursachen sind ungewöhnlich, vielfältig und bunt. Mal unterliegt ein Mann einen aussichtslosen Krieg mit einem Maulwurf, ein anderes Mal versucht jemand verzweifelt, sein Herz zu überreden, den Streik aufzugeben. Einige Geschichten sind fantasievoll, etwa wenn eine alte Frau mit dem Regenbogen sich selbst wegbleicht. Oder sie beschreiben humorvoll einen Killer, der selbst nicht sterben kann. Andere Geschichten sind ernst und nachdenklich, manche makaber und auch der gute alte Krimi findet sich. Sie alle sind spannend und in ihrer Vielfalt anregend, sich weiter mit dem Tod zu beschäftigen.